Wechsel- und Revisionsoperationen

Die kontinuierliche Weiterentwicklung und Verbesserung der Implantate und ihrer Werkstoffe hat dazu beigetragen, dass künstliche Hüftgelenksprothesen heutzutage deutlich länger fest im Knochen verankert bleiben.

Trotz wesentlicher technischer Verbesserungen der Kunstgelenke und zunehmender Erfahrungen beim Einbau der künstlichen Hüft- und Kniegelenke kann man ein "ewiges" Leben der Endoprothesen auch heute noch nicht versprechen. Meist ist es weniger die Haltbarkeit der Prothese selbst, als die nicht dauerhafte Verankerung im Knochen, welche die Standdauer einer Prothese limitiert.

Da die Lockerung von Prothesen durch falsche oder übermäßige Belastung gefördert wird, sollte Folgendes weitestgehend vermieden werden:

  • Übergewicht
  • das Heben und Tragen schwerer Lasten
  • übermäßige Stauchungen und Stoßbelastungen, sowie starke Drehbewegungen wie sie beispielsweise bei Sportarten wie z.B. Fuß-, Hand-, Volleyball, Tennis, Skifahren, entstehen können
  • unkontrollierte Bewegungen und Stürze, aber auch extreme Bewegungsmuster können ein Risiko für die Luxation (Ausrenkung der Prothese aus der Pfanne) darstellen
  • Sportarten mit erhöhtem Unfallrisiko

Bevor eine Prothese gewechselt wird oder einzelne Komponenten der Prothese getauscht werden, finden in unserer Klinik im Vorfeld gezielte Untersuchungen und Diagnostik statt, um die Ursachen einzugrenzen.

Wechsel einer Hüftprothese

Bei einer Revisions-Operation an der Hüfte (auch „Wechsel-Operation“) wird zunächst genau geprüft, welche Prothesenanteile locker sind.

Schaftlockerung

Ist nur der Schaft locker, wird in der Regel auch nur der Schaft ausgetauscht. Im weiteren intraoperativen Verlauf wird dann die Festigkeit der Knochen überprüft und entsprechend der festgestellten anatomischen Gegebenheiten ein Revisionsschaft ausgewählt und optimal angepasst. Es stehen verschieden Schäfte zur Auswahl, die sich hinsichtlich ihrer Länge und Verankerungstechnik (zementiert oder zementfrei) unterscheiden.

In der Regel wird ein – im Vergleich zur ursprünglichen Prothese - längerer Schaft notwendig, weil damit eine bessere Stabilität im bereits angegriffenen Knochenlager erreicht werden kann. Bei der Operation wird darauf geachtet, dass eine optimale Verankerung der neuen Prothese gewährleistet ist und beide Beine möglichst wieder gleich lang werden. In seltenen Fällen kann das operierte Bein wenige Millimeter länger sein.

Dies ist in der Regel dann der Fall, wenn die stabilisierende, hüftumgreifende Muskulatur nicht mehr genügend Spannung hat, den Kopf in der Pfanne zu halten. Dann muss die Spannung der Sehnen über eine geringfügige Verlängerung des Beines erreicht werden.

Pfannenlockerung

Ist die Gelenkpfanne gelockert, kann der Schaden auch mit einem ausgeprägten Knochenverlust einhergehen, so dass für die neu zu implantierende Pfanne die knöchernen Gegebenheiten nicht ausreichen. Deshalb wird bei Patienten, die solch einen ausgeprägten Knochenverlust haben, der Defekt behoben und ein neues Fundament aufgebaut. Dies gelingt in der Regel sehr gut mit einer so genannten Abstützschale. Diese wird in den Beckenknochen eingepasst und mit Schrauben am Beckenknochen fixiert. Anschließend kann man die Schale mit Spenderknochen unterfüttern, der sich mit der Zeit wieder zu körpereigenem Knochen umbaut. In diese Abstützschale wird eine Pfanne eingeschraubt oder einzementiert. So wird einerseits die Beinverkürzung ausgeglichen und anderseits der Knochendefekt behoben. Diese neu implantierte Pfanne kann mit dem verbliebenen Schaft und einem neuen Kopf wieder gut funktionieren.

Bei einer Revisionsoperation muss also nicht immer das gesamte Gelenk ausgebaut werden. Vielmehr kann entsprechend dem jeweiligen Stadium der Problematik nur der Anteil entfernt werden, der auch wirklich gelockert ist. Das hat den Vorteil, dass die notwendigen Operationen für die Patienten weniger belastend sind, weil sie so klein wie möglich gehalten werden.

Prinzipiell muss bei einer gelockerten Prothese immer auch eine Infektion als Ursache ausgeschlossen werden. Besteht hier ein Verdacht, sind zunächst weiterführende Untersuchungen (Szintigraphie/Punktion) erforderlich. Es ist dann zu entscheiden, ob die Wechsel-OP in einer Sitzung/Operation oder mit einem zwischenzeitlichen Platzhalter ausgeführt werden muss.